Browser Bashing 2009
Es ist schon ein paar Jahre her, da sollte es Netscape 4 endgültig an den Kragen gehen. Einige Gründe waren gut nachvollziehbar, das eigentlich sehr interessante Verfahren zur Umsetzung von Styleangaben mittels JSSS hatte sich nicht durchgesetzt. Dass der Standard CSS nur etwas eigenwillig unterstützt wurde, was das Hauptargument in einem etwas absurden Browserkrieg. Netscape 4 hatte nämlich keinen würdigen Nachfolger, die Weiterentwicklung des 5er wurde irgendwann eingestellt, es sollte einen richtigen Neuanfang geben.
Netscape
Der dann erscheinende Netscape 6 überzeugte wenig. Dennoch kam es auf breiter Front zu Kampagnen gegen Netscape 4. Seiten mit einfachstem Layout wurden unnötigerweise für den noch stark genutzten Netscape 4 unzugänglich gemacht. Bei meinem Provider konnte ich mich nicht mehr mit dem Browser meiner Wahl einloggen. Das Ergebnis dieser Bemühungen war ein rasanter Anstieg der Nutzerzahlen mit Microsofts Internet Explorer; Netscape drohte in der Versenkung zu verschwinden.
Standards des W3C
Rechtfertigung und Hauptargument war dabei immer die Forderung nach der Einhaltung der Standards des W3C, wo der Internet Explorer auch keine so gute Figur machte. Übersehen wurde dabei gerne, was das W3C selbst klar über den Sinn seiner Arbeit in ↗“W3C in sieben Punkten” zum Thema Universelle Zugangsmöglichkeiten schreibt:
Benutzer mehr Freiheit zu wählen und sie erwarten zu Recht, daß Softwarekomponenten austauschbar sind. Genauso erwarten sie, Web-Inhalte mit ihrer bevorzugten Software zu betrachten
für alle Menschen nutzbar zu machen, gehört zu den Hauptzielen des W3C, unabhängig davon, welche Hard- oder Software sie verwenden
Natürlich ist ein gemeinsamer Standard die Voraussetzung. Aber damit anzufangen, die bevorzugte Software gerade nicht zu unterstützen und Inhalte von Seiten vorzuenthalten, das kann nicht das richtige Mittel sein.
Internet Explorer Update
Nun scheint es dennoch immer wieder Versuche zu geben, auf die installierte Software der Internetnutzer Einfluss zu nehmen. Gemeint sind nicht etwa die auch noch im Umlauf befindlichen Veteranen Internet Explorer 5 oder 5.5, sondern gleich der IE 6, welcher noch von nahezu jedem zweiten Surfer genutzt wird. So wurde etwa der Verkaufsstopp von Windows XP bejubelt, weil der noch nicht so überzeugende Browser Nachfolger IE 7 dem auch nicht so begehrten XP Nachfolger Windows Vista beiliegt.
Gerade zeichnet sich die Einführung des IE 8 ab. Meine bisherigen Erfahrungen mit der Betaversion haben mich nicht begeistert. Aber, wie auch beim Blogeintrag ↗“IE6-Nutzer ausgrenzen” thematisiert, es scheint immer wieder einen Anlass zu geben, alte Begehrlichkeiten nach einer Einschränkung der Zugänglichkeit für ältere Browser wieder aufleben zu lassen.
Trennung von Form und Inhalt
Der Ausschluß älterer Browser scheint mir nicht der Weisheit letzter Schluß zu sein. Ein Kompromiß mag sein, die alten Browser sauber von der Verarbeitung des CSS abzuhalten. Allerdings dürfte bei vielen Inhalten trotz ordentlicher Verwendung von Styleangaben und syntaktisch richtigem HTML so der Zugang mit den betroffenen Browsern deutlich verschlechtert werden.